Matthias Reinmuth: on

Eröffnung:
12. Januar 2019, im Rahmen des Rundgangs der SpinnereiGalerien
11:00 Uhr – 20:00 Uhr

Unendliche Räume hinter den Displays – vielfarbig flimmernd rauschen Bilder und Informationen vorüber, türmen sich digitale Welten auf und fesseln den Blick an den kleinen, glatten Oberflächen, die sanft leuchten, aber selbst sonst kein Eigenleben haben. Virtuell ist die Realität geworden, in die wir alle täglich tauchen, als wäre hinter dem Schirm etwas zu holen, was analog nicht existiert.

„on“ heißt Matthias Reinmuths Einzelausstellung, und tatsächlich scheint von einigen seiner Leinwände ein Schimmern auszugehen wie von einem angeschalteten Bildschirm, der nur kurz innehält und sanft pulsierend ein Einzelbild einfriert. Je länger man den vermeintlich angehaltenen Augenblick jedoch betrachtet, desto stärker wird der Eindruck, dass hier nichts abgebildet oder gar von einem Display transportiert wird, sondern dass die Oberfläche der Malerei sich in Auflösung begibt: In den farbigen Flächen öffnen sich Tiefen, Nebel beginnen zu wabern und fliehende Gesten durchbrechen die Kanten der Leinwand. Der Blick durch die unzähligen malerischen Schichten tastet und taucht nach Halt, doch der Schein trügt doppelt: kein digitales Leuchten und keine pixelbasierten Illusionen werden sichtbar.

Ein „Glimpse“, wie Matthias Reinmuth seine jünste Serie von Malereien nennt, ist ein kurzer, ein vorübergehender Blick. Diese Bilder sind Essenzen der Flüchtigkeit virtueller Welten. Das Strömen und Scrollen, das Zerrinnen von Substanz und Signifikanz werden transferiert in die analoge Sphäre, in die physische Welt aus Öl, Leinwand, Pigment und Firnis. Es rauscht nicht mehr hinter dem Display, stattdessen macht sich die Wahrnehmung mobil, die Physis der Bilder zu erfassen.
Andere Malereien scheinen auf den ersten Blick gedeckter. Doch auch hier öffnen sich Tiefen und Ahnungen von Raum, die zwischen schierer Weite und atmosphärischen Schwingungen die Intuition herausfordern: Galaxien, Unterwasserwelt oder Mikrokosmos? Schwerelosigkeit, Melancholie oder Muße? Oder alles zugleich? Auch diese Welten sind virtuell – die Imagination durchbricht die Oberfläche und unendliche Möglichkeiten eröffnen sich.