"Do Little"

22. June – 21. July 2007

Opening: June 22, 7 - 9 pm

Art is nice and intentions are the opposite of solutions.
Minimalism and performative gestures rotate around the postulate:
"Do Little"




Eine Verweigerung des (authentischen) Schaffens und eine Verlangsamung des Tuns ziehen sich durch den Raum. Die Arbeiten selbst oder die Haltungen, auf die sie anspielen, zeigen sich gelassen, unbeflissen, präzise oder einfach nur minimalistisch.
Holmer Feldmann lässt seinen Pinsel von anderen, ganz unbekannten Autoren führen. Eine Art des Nacherzählens und Nachvollziehens, die sich Zeit lässt, und gleichzeitig ein Akt des Bewahrens. Ein anonym bleibender Künstler macht in Tina Schulz' Diaarbeit irritierend banale Äußerungen zum eigenen Arbeitsprozess. Stefan Fischer zeigt die Aktualisierung einer alten Fotografie, ein ›Remake‹ oder Selbstzitat, das die Schaffensgeste verweigert. Die Performancekünstlerin Chat überlässt die Performance ihrem ›Publikum‹ und taucht hier nur in zweiter Instanz auf. Arthur Zalewski bedient sich im Barock und abstrahiert ihn mit der Lust an Farbe und Stimmung im kleinen Format. Ingo Gerken markiert mit den einfachsten Mitteln den Ausstellungsort und sorgt dabei für Stillstand. Die Pantolette, in die jeder schlüpfen könnte, verharrt an einer Stelle am Boden fixiert – Fortschritt unmöglich und Entkommen auch.

»Do Little« – versteht sich das als ein erfrischender Aufruf dazu, so viel wie nötig, aber so wenig als möglich zu tun und dabei alles richtig zu machen? »That there is far too much work done in the world«, war Bertrand Russells Ansicht. Er schrieb, dass der Glaube an die Tugend der Arbeit irrig sei und nur Schaden anrichte, die Beschränkung auf das notwendige Maß an Arbeit aber – bei gerechter Verteilung aller Arbeit – jedem genügend Muße ließe. Und die sei unerlässlich, ja Voraussetzung für jede Form von Kulturproduktion. In all den Momenten des Innehaltens, des Wartens und Luftholens, die in den versammelten Arbeiten sichtbar und spürbar sind, stecken auch Gelassenheit und Vertrauen in die Dynamik des Arbeits-prozesses. Was auch immer die Absicht von Bruce Naumans ursprünglichen Äußerungen war, die Tina Schulz in Artist's Statement zitiert, die Diaarbeit ruft in der Art, wie sie die Aussagen heraus-schält, völlig freistellt und tonlos im Raum projiziert, Fragen zur tagtäglichen Motivation und Fähigkeit künstlerischen Arbeitens und damit auch zu den Voraussetzungen von Produktionsästhetik auf. »Ich mache einfach was aus dem, was so herumliegt« – was so unglaubwürdig und entmystifizierend klingt, ist zugleich das Statement mit dem größten Wahrheitsgehalt.
Wenn Chat die Handlungsanweisungen für die Akteure in ihrer interaktiven Performance Verabredung – in der dann auch nur minimal agiert wird – auf das Nötigste beschränkt, geschieht das zugunsten dessen, was aus den Leerstellen entstehen kann. Arthur Zalewski spielt eben dies als kuratorisches Prinzip durch: do little – so wenig Regieanweisung wie möglich. Und herausgekommen ist eine leise Ausstellung, die auf dramatische Inszenierungen ebenso verzichtet wie auf die Kultivierung und Zurschaustellung allzu großer Gesten der Arbeit.
- Tanja Milewsky/ Leipzig, 2007