Arthur Zalewski

The Idiot

11. September – 9. October 2010

Opening: September 11, 11 am – 9pm / September 12, 11 am – 6pm
Eröffnung: 11.September 11 – 21h / 12. September 11 – 18h

Aus der Serie: Simultan. 40x 50 cm, Fine Art Print, 2010.
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The Idiot. Exhibition view 2010



Im Mittelpunkt der Arbeiten von Arthur Zalewski findet sich selten ein benennbarer Gegenstand. Malerei ist vorallem materiell, flächig oder seltsam gestisch, und Objekte, die auf Referenzgegenstände aus der Wirklichkeit schliessen lassen, sind kaum zu erkennen. Eine Serie von Fotografien, die in verschiedenen Städten aufgenommen wurde, zeigt vorallem die Unschärfen des zeitgenössischen urbanen Raumes. Weder Rückschlüsse auf den konkreten geographischen Ort, noch eindeutig auf seine Nutzung oder seine soziale oder politische Konnotation lassen sich ziehen. Sucht man nach einem einenden Prinzip innerhalb der abbildenden Funktion der fotografierten Szenen, findet man höchstens die Universalität des Ungenauen in diesen Settings. Deutlichkeit stellt sich erst ein, wenn die realitätsnahe Betrachtung zugunsten einer strukturellen Wahrnehmung von künstlerischer Haltung und formalästhetischer Umsetzung aufgegeben wird. Nicht der Gegenstand oder die Realität sind hier Thema, sondern die Arbeitsweise selbst. Richard Rorty, Philosoph und Literaturwissenschaftler, formuliert eine Theorie der Ironie, die der Herangehensweise von Zalewski sehr nahe kommt. In Rortys Definition ist Ironie begründet in Zweifel gegenüber jedem abgeschlossenen Vokabular. Gegenüber Bezeichnungen, Wahrheiten, gegenüber der eigenen Sprache und der Vorstellung, dass irgendetwas endgültig und somit objektiv oder definitiv sei. So wie die Ironie eben Formuliertes im selben Moment in Frage stellt, bezweifelt Zalewski die Ergebnisse künstlerischer Produktionsprozesse. Und zeigt doch eine Ausstellung, in der Fotografie, Malerei, installative Arbeiten und Skulpturen gegenwärtig sind. Die Ausstellung steht weder am Ende noch am Anfang der Arbeit, sie steht, wenn man Rorty folgt, irgendwo innerhalb eines ständigen, ergebnisoffenen und stets vorläufigen Prozesses. Der Zweifel als Arbeitsmittel kommt jedoch nicht aus, ohne etwas, was bezweifelt werden kann. Ausgangspunkt der Produktion ist in vielen Fällen eine umfangreiche fotografische Recherche, die oft im urbanen Raum ansetzt. Das Interesse ist gelenkt von nichts als dem Interesse, was selbst vorläufig ist und sich im Laufe der Beschäftigung zuspitzt. Das Material wird gesiebt, Referenzräume in der Bildenden Kunst, Theorie und Gesellschaft abgeschritten und verdichtet. Dokumentarische Aspekte bleiben im Prozess der Reduktion erhalten, in der Überführung in die Kunst verlieren, beziehungsweise verändern sie einen Teil ihrer Ladung und ordnen sich neuen Regeln unter: Den Regeln der Kunst, die für sich und das, was sie verhandelt, unbedingte Autonomie einfordert. Eine Fotografie zeigt ein Gebäude nur in Teilen, die Lichtverhältnisse sind ungünstig. Es ist zu bezweifeln, dass es sich um ein Gebäude handelt.