Matthias Reinmuth, Stephanie Stein

fold

14. January – 18. February 2017

Opening: January 14, 11am – 8pm
withing the gallery tour of www.SpinnereiGalleries.de

Matthias Reinmuth: Curved. Acrylic on canvas, 190 x 165 cm, 2016
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Stephanie Stein, Matthias Reinmuth: Fold. Exhibition view 2017

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Stephanie Stein, Matthias Reinmuth: Fold. Exhibition view 2017

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Stephanie Stein, Matthias Reinmuth: Fold. Exhibition view 2017

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Stephanie Stein: OH NO!. Steel, 70 x 70 x 140 cm, 2017

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Stephanie Stein: OH NO!. Steel, 70 x70 x 140 cm, 2017



Matthias Reinmuths Leinwände sind sperrangelweit offen, Raum und Zeit sind aufgehoben und die Schwerkraft hängt allein an ihren Kanten, da, wo sie umbrechen in das reale Volumen des Ausstellungsraumes. Sphärisch oder ätherisch, gestisch und scheinbar liquide ist der Farbauftrag in etlichen Schichten. Narrative lösen sich auf und zugleich tastet der Blick nach physischem Halt. Geist sucht Körper – Körper sucht Geist. Die Philosophien des Abendlandes ringen seit jeher mit dem Zerteiltsein des Menschen in Leib und Seele und die Frage, wie sie miteinander verbunden sind. Dieses Scharnier könnte es sein, von dem aus Welt, Erkenntnis und Sinn überhaupt erst entstehen.
Gilles Deleuze beschreibt Physis und Psyche als ineinander verwoben und gefaltet: englisch fold, französisch pli. Wo eines sich in das andere schmiegt bilden sich Falten, schichten und verwickeln sich die vermeintlich gegensätzlichen Zustände ineinander.
Stephanie Steins Arbeiten greifen in den Raum ein, schließen Boden, Wände und Volumen mit ein und beanspruchen so den Kontext der Präsentation als legitimen Teil ihrer Anwesenheit. Als Objekte scheinen sie einem Zeichensystem zu entstammen, das eine Semantik und damit unmittelbare Lesbarkeit jedoch verweigert. Erst im Bezug zu ihrem Umraum entwickelt sich nicht nur ihre physische Präsenz, sondern auch ihr narrativer Gehalt. Ein sich öffnender Winkel oder ein sich schließender Kreis verweisen auf Konstanten menschlicher Wahrnehmungsprozesse, präzise definierte Oberflächen deuten eine mechanische These von Raum und Realität an.
Die Malereien von Matthias Reinmuth und die Objekte von Stephanie Stein vereint eine programmatische und entschiedene Offenheit, die sich vorschnellen Sicherheiten und Affirmationen entzieht. Ein Scharnier verbindet und macht im gleichen Moment Bewegung möglich. Im Knick – fold – treffen Flächen aufeinander und werden zum Volumen, hier bricht Perspektive, von hier aus entsteht Ent-Faltung.
– Arne Linde