Daniel Rode



Ausstellungstext "Jungs - oder die Fortsetzung eines Irrtums",
15. Januar – 19. Februar 2011

Exhibition text "Jungs - oder die Fortsetzung eines Irrtums",
15. January – 19. February 2011
English version below

Text ist bisweilen nichts mehr als bloßes Ornament - etwa, wenn er in einer Sprache verfasst ist, die nicht die eigene ist. Einen arabischen Schriftzug von der falschen Seite her lesen zu wollen steht in einer großen, fast unausweichlichen Tradition semiotischer Missverständnisse. Auf eine andere Weise abstrahiert sich die Inhaltlichkeit von Text, wenn Teile, einzelne Worte oder Sätze, aus ihrem Zusammenhang genommen werden. "GIVE ME ALL I CAN GET" steht in großen Neonlettern dreidimensional im Ausstellungsraum. Subjekt und Objekt sind ungeklärt, eine fragmentierte Situation, die keine Rückschlüsse auf eine ursprüngliche textliche Bedeutung mehr gibt. Daniel Rode untersucht die Sinnhaftigkeit und Abstraktionsgrade, denen Text im öffentlichen Raum ebenso wie im Raum der zeitgenössischen Kunst unterworfen ist. Eine Herkunft oder Intention werden nicht offen gelegt, die "wahre Geschichte" nicht erzählt. Auf der einen Seite gieren wir nach Verstehen und inhaltlicher Durchdringung, auf der anderen Seite umwirbt uns die formal präzise Ästhetik. Sehen oder Verstehen - oder beides auf einmal? Widerspruch und Irritation sind die Vehikel der installativen Arbeiten von Daniel Rode, mit denen er die Stichhaltigkeit von Text, Form und Kunst zur Debatte stellt. “Jungs - oder die Fortsetzung eines Irrtums" zeigt Übertragungsfehler, semantische Lücken und Zeichnungen, die eine gewisse Unordnung aufweisen.
— Arne Linde

At times, text is no more than mere ornamentation – such as when it is composed in a language not the author´s own. And the tendency to read Arabic script starting at the wrong side of the page, too, belongs to a longstanding, nearly unavoidable tradition of semiotic misunderstandings. In yet another way, when portions, individual words or sentences are taken out of context, the context is abstracted from the text. Take, for example, "GIVE ME ALL I CAN GET", positioned in large, three-dimensional neon letters in an exhibition space. Subject and object are undefined, a fragmented situation that allows for no conclusions as to the original textual meaning. Daniel Rode explores the reasoning and level of abstraction to which both text in the public space and text in the contemporary art space are subjected. Often, source and intention remain unrevealed and the true story is not told. On the one hand, we yearn to understand, to infiltrate the content; on the other, we are courted by formally precise aestheticism. Seeing and understanding (perhaps even both at once?), contradiction and confusion are the vehicles of the installations by Daniel Rode, works in which he puts the cogency of text, form and art up for debate.

Ausstellungstext "esden", 10. März – 21. April 2007
In German language only

"this is what we can offer you… confusion guided by a clear sense of purpose"
— Gordon Matta-Clark/ 1977

Alles könnte auch ganz anders sein. Alles könnte sich auch jenseits von Nutzbarkeiten ereignen. Gebäude, die auf Leinwände geraten, haben alles verloren, was ihnen einmal zugedacht war: Wohnen, Wärme, Dach überm Kopf – nix da! Keine Raum mehr, keine Architektur. Was interventionistisch im vorhandenen urbanen Raum lebensgroß und in Echtzeit die Erfahrungen mit Landscapes und Baukörpern dekonstruiert, zeigt Daniel Rode ins Kleine transformiert. Zeichnungen von öffentlicher Architektur, von Sportstätten, Palästen, Plätzen und bebauter Landschaft zerlegen Funktionszusammenhänge und verzerren, vergröbern, verformen die Vorlage der Realität. Modellhaft, adaptiert und durchaus nachempfunden – doch überformt von Öl, Acryl und unbestimmtem Perspektivenflimmern geraten Form und Material aneinander. So filigran und schwebend, wie die skizzenhaften Arbeiten Rodes sind, bleibt der Verdacht erhalten, dass sich konkrete Orte auf Papier und Leinwand wiederfinden. Die gestisch-sinnliche, die materielle Dimension enteignet jedoch zeitgleich jeden Realitätsbezug. Und die Transformation geht noch weiter. Pittoreske Objekte und Wandzeichnungen führen die Reduktion auf eine Fläche zurück in die dritte, die räumliche Dimension. Eine Andeutung von Environment reicht aus, um den Ausstellungsraum grundsätzlich umzudeuten: Er wird selbst zur Skizze von bebautem Raum und gerät in Spannung zur Erwartung an ein neutrales, weiß grundiertes Display. Confusion? Very welcome!
— Arne Linde