Alexander Hempel
Die künstlerische Präsenz von Alexander Hempel ereignet sich anlassgebunden. Er hat kein Atelier, aber 3 Arbeitsräume, mehrere Computer, verschiedene Zeitschtiftenabonements und
keinen festen Wohnsitz. Die Frage, worum es in seiner Arbeit gehe, beantwortet er mit dem Abspielen einer digitalen Tonspur und der Zubereitung von vorzüglichen Wiener Schnitzeln.
Zu der Ausstellung „Make the most of now“ in der Exnergasse in Wien 2010 zeigte er eine Performance: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Ausstellung ist eröffnet“. Dokumentationsfotos von diesem so beiläufigen wie pointierten Auftritt existieren nicht. Alexander Hempels Arbeit habhaft zu werden, sie begreifen zu wollen, scheint fast unmöglich. Doch anders als viele Performancekünstlerinnen und –künstler sich der Produkthaftigkeit von Kunstmarktmechanismen vehement verweigern, zeigt Hempel auch immer wieder Bilder, Skulpturen oder Installationen. Die Ausstellung wird eröffnet – und in diesem Moment wird Kunst behauptet, egal ob diese materiell oder immateriell ist. Bei Hempel gibt es keine kategorische Entscheidung für einen der beiden Aggregatzustände. Und so gegenwärtig die Performance sich ereignet, so unvermittelt entstehen auch seine Bilder und Installationen:
In einem einzigen, konsistenen Produktionsakt. Es gibt keine Korrekturen, keinen zweiten Versuch. .....
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Ausstellungstext "Delphine Courtillot, Alexander Hempel, Anna Reinert", 2.Juni – 9.Juli 2005
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Die Einfachheit der Arbeiten Alexander Hempels ist beinahe obszön.
Die Materialien sind billig, massenhaft zugänglich und an sich alles andere als raffiniert: Pappe, Klebeband, Spraylack, oft nur Packpapier. In der Verarbeitung fehlen handwerkliche Akribie, Spuren von Fleiß oder sorgfältigem Bemühen ganz.
In einem einzigen, konsistenten, scheinbar mühelosen Produktionsakt entstehen Arbeiten, deren Simplizität den Terminus der Perfektion herausfordert.
Ob die Tapete aus Packpapier, mit der er einen Raum auskleidet ("Proben", HGB Leipzig, 2004), glatt anliegt und faltenfrei bleibt, spielt keine Rolle. Dass sie angebracht wurde macht den Unterschied, es gibt keinen zweiten Versuch. Die Wandarbeit über die Vorstellung vom Ende der Welt (Teil der ”3-pieced Installation”, ASPN Leipzig, 2005) zeigt nichts weiter als drei Städtenamen – New York, London, Paris – auf knittrigem Packpapier. Wird die Arbeit transportiert, vermehren sich die Knicke und Gebrauchsspuren, das Medium der Repräsentation altert. Ebenso wie die Vorstellungen von ”großer weiter Welt” der Zeit und dem Gebrauch unterworfen sind, viel stärker vielleicht, als eine örtliche Bindung sie in eine relative Nähe oder Ferne zum jeweiligen Ausgangspunkt der Betrachtung rückt. Die ”Bushaltestelle mit miserabler Verkehrsanbindung” (2005) zeigt ganz konkret die Transformation eines eigentlich fest definierten Ortes in eine ideell transportable, sogar entortete Situation, die nur noch über die Idee einer Netzanbindung mit dem ursprünglichen Kontext assoziiert ist. An diesem Punkt durchdringen sich die konzeptuelle und die formale Ebene der Arbeiten Alexander Hempels vollkommen. In der Repräsentation werden Repräsentationsstrategien reflektiert, in der Verweigerung eines klassisch gestischen oder gar genialischen Verständnisses von Kunst werden das Kunstschaffen und das Künstlersubjekt thematisiert.
Ein Regenbogen jenseits der Verheißung (”3-pieced Installation”, ASPN Leipzig, 2005): Die Farben hysterisch überspannt, eher toxisch als dass sie noch an das Symbol von Frieden und vom Reichtum, der am Ende des Regenbogens wartet, denken lassen. Statt in weltumspannendem Bogen zu leuchten, liegt er geknickt, geborsten und geschient am Boden. Arkadien muss untergehen, das Ende der Welt ist immer, überall und unaufhaltsam. Das ist ganz einfach so, und genau so zeigt es Alexander Hempel: einfach, unaufgeregt und in bestechender Präzision.
— Arne Linde
